Nicole Razavi MdL: „Der Mensch muss in Würde wohnen, bevor er sich um andere Probleme kümmern kann.“

13.05.2022, 16:00 Uhr

CDU-Landtagsabgeordnete und LIGA der freien Wohlfahrtspflege im Kreis Göppingen sprechen über das Thema sozialer Wohnraum

 

„Der Mensch muss in Würde wohnen, bevor er sich um andere Probleme kümmern kann.“ Darin sind sich Nicole Razavi MdL und Sascha Lutz, Vorsitzender der LIGA der freien Wohlfahrtspflege im Kreis Göppingen, einig. Die CDU-Landtagsabgeordnete und Vertreterinnen und Vertreter der LIGA von Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie, DRK, Paritätischem Wohlfahrtsverband und der Wohnungslosenhilfe haben sich in einer Videokonferenz zur örtlichen Wohnraumsituation ausgetauscht. „Dieses Thema ist mir als langjährige Abgeordnete sehr wichtig“, sagt Nicole Razavi MdL, die auch Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen ist. „Wir müssen auch am Wohnungsmarkt diejenigen im Blick behalten, die es sehr schwer haben und Hilfe benötigen.“ „Seit der Corona-Pandemie erreichen uns deutlich mehr Anfragen nach Wohnraum“, berichtet Sascha Lutz. „Wir wollen als LIGA das Thema Wohnen in unserer sozialen Arbeit noch mehr in den Fokus rücken und mit unserer veröffentlichten Erklärung zur Wohnraumsituation im Landkreis Göppingen deutlich machen, wo aus unserer Sicht der Schuh drückt.“
 
„Die soziale Wohnraumförderung ist aktueller denn je, da nun auch viele Kriegsflüchtlinge zu uns kommen, die wir gut unterbringen wollen und werden“, so Nicole Razavi weiter. „Wir brauchen jede Wohnung – neu und im Bestand.  Die Kommunen kennen die Verhältnisse vor Ort und sind die Beine auf dem Weg zu mehr bezahlbarem Wohnraum. Als Land haben wir mit dem neuen Landeswohnraumförderprogramm die Weichen gestellt, um wieder mehr sozial gebundenen Wohnraum an den Markt zu bringen, auch hier im Landkreis Göppingen. Es gibt aber noch weitere Stellschrauben, etwa indem wir Prämien vergeben, wenn leerstehende Wohnungen wieder vermietet werden, oder indem wir bei Sanierungen im Bestand vorfinanzieren. Anreize sind ein ganz wichtiges Thema“, betont Razavi. 
 
Gegenstand des Austausches war auch das Thema Wohnungslosigkeit. „Der Wettbewerb um bezahlbaren Wohnraum ist längst für viele Menschen existenzbedrohend“, sagt Sacha Lutz. „Oft geraten Menschen, auch unverschuldet, in eine Abwärtsspirale, manchmal bis zur Obdachlosigkeit. Sind sie erst einmal in dieser schwierigen Situation, wird es ganz schwer, wieder herauszukommen. Wer etwa einen negativen Schufa-Eintrag habe, werde bei Wohnungsvergaben oft aussortiert. „Eine Integration in den Arbeitsmarkt klappt aber nur mit einer ordentlichen Wohnung. Wir haben vereinzelt Fälle, da schlafen Leute im Auto und gehen jeden Morgen zur Arbeit. Wir setzen uns deshalb für ein Fachstellenkonzept ein, das mit präventiver Beratung den Verlust der Wohnung verhindern soll.“ „Das Ziel muss sein, Antworten auf die Frage zu finden, wie wir möglichst viele Menschen aus der Wohnungslosigkeit wieder herausholen können. Das ist mir ein wichtiges Anliegen“, betont Nicole Razavi MdL. „Dafür wollen wir in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen und freien Trägern so genannte Housing-First-Modellprojekte auflegen. Jemand, der eine Wohnung sucht, soll dann anstatt in eine Einrichtung der Wohnungslosenhilfe gleich in ein reguläres Mietverhältnis gebracht werden, für mehr Stabilität und Sicherheit“, so die Ministerin. 
 
„Wohnen ist die soziale Frage unserer Zeit. Wir wollen unseren Austausch zu diesem wichtigen Thema fortsetzen“, so Nicole Razavi und Sascha Lutz. Die LIGA plant, im Herbst dieses Jahres ihren Fachtag dem Thema sozialer Wohnraum zu widmen. Ministerin Nicole Razavi MdL hat Ihre Teilnahme zugesagt. 
 
Hintergrund: 
Die Liga der freien Wohlfahrtspflege im Kreis Göppingen ist ein Zusammenschluss der Verbände der freien Wohlfahrtspflege (AWO, Caritas, Diakonie, DRK, Paritätischer Wohlfahrtsverband). Sie dient als Plattform zur Abstimmung zwischen den Wohlfahrtsverbänden sowie als Ansprechpartner für die entsprechenden Entscheidungsträger in Fragen der Sozialplanung und Sicherstellung einer hinreichenden Versorgung hilfsbedürftiger Menschen.