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04.12.2017
Vorweihnachtliche Atmosphäre der besonderen Art
Eindrücke unter Tage - Nicole Razavi MdL zu Besuch auf einer Tunnelbaustelle am Tag der Heiligen Barbara
Jeder kennt sie, die Firmenweihnachtsfeier: ein gutes Restaurant, behagliche Umgebung, man feiert gemeinsam sich und das abgelaufene Jahr.
Dies hier ist etwas ganz anderes, aber ganz und gar nicht weniger festlich: eine vorweihnachtliche Barbarafeier auf einer Tunnelbaustelle.
Für einige Stunden wird die Tunnelbaustelle zu einem festlichen Ort Foto © Bahnprojekt Stuttgart-Ulm e.V.
Ich bin eingeladen, als politische Vertreterin ein Grußwort zu sprechen und bin sofort von der Atmosphäre vor Ort fasziniert: Barbarazweige werden den Gästen zur Begrüßung gereicht,  das Licht ist stimmungsvoll, viele Tunnelingenieure tragen die in ihrer österreichischen Heimat für diesen feierlichen Anlass übliche Tracht. Händeschütteln, fröhliche Gesichter, man grüßt sich mit einem gut gelaunten „Glück auf!“. 
 
Die Hauptperson des Tages steht derweil als kleine Skulptur, umrahmt von Blumenschmuck, auf dem improvisierten Altar, vor dem die Festgemeinschaft in Reihen Platz nimmt. Die Heilige Barbara von Nikomedien (heute Izmit in der Türkei) soll im 3. Jahrhundert  den Märtyrertod gestorben sein, weil sie sich der frühen Christenbewegung angeschlossen hatte. Der Legende nach soll sie in einen Turm gesperrt worden und in einer Felsspalte Schutz gesucht haben. Bergleute und Tunnelbauer verehren sie heute traditionell als ihre Schutzheilige. 
 
Jedes Jahr am 4. Dezember, am Barbaratag, ruht die Arbeit in den Tunneln und man versammelt sich zu einem kleinen Gottesdienst mit anschließender Feier. Wo die Mineure, wie die Arbeiter im Tunnel heißen, normalerweise rund um die Uhr inmitten von Staub und Baumaschinen arbeiten, singen und beten sie nun gemeinsam. Sie danken für ein Jahr ohne schwere Unfälle und erbitten Beistand für die Ausübung ihrer gefährlichen Arbeit unter der Erde. 
Während der Gesänge denke ich über himmlischen Beistand nach. Vor dem Büro am Computer mag einem dieser Wunsch seltsam erscheinen. Hier unten im Berg erhalten unsere Bitten ihren tieferen Sinn. Richtig klein kommt man sich an diesem Ort als Mensch vor. Es ist eine Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann.
 
Zum Abschluss der Zeremonie erklingt das „Steigerlied“, so etwas wie die Hymne der Bergleute. Während ich mich wenig später auf den Weg nach draußen mache, wird es lauter im Tunnel.  Die feierliche Andacht ist zu Ende, das gesellige Beisammensein beginnt. Gemeinsame Selfies vor der Barbarastatue und am Weihnachtsbaum werden gemacht. Drei Wochen vor dem Heiligen Abend ist die Barbarafeier immer auch eine frühe Weihnachtsfeier für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Tunnelbaustelle. À propos Heiliger Abend. Ich höre noch, wie ein junges Paar neben mir einen erfahrenen Ingenieur aus dem Alpenraum fragt, was man denn nun mit dem Barbarazweig machen könne. „Mit heim nehmen, einfrischen (hochdeutsch: in die Vase stellen), und wenn er am Heiligen Abend blüht, dann gibt’s im nächsten Jahr Nachwuchs“, sagt er mit einem Augenzwinkern und eilt davon zu seinen Kollegen.
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